HRONIK DER FAMILIE SMARZLY


Die dokumentierte Geschichte unserer Familie kann man über rund dreihundert Jahre zurückverfolgen. Die Existenz von Trägern unseres Familiennamens in Schlesien lässt sich indes bereits für das letzte halbe Jahrtausend nachweisen, und legendäre Überlieferungen lassen sogar auf Vorfahren in der Zeit der ersten Jahrtausendwende der christlichen Zeitrechnung schließen. Unsere bekannten Ahnen waren Oberschlesier. Ein Volk welches vor allem aus Nachfahren der hier ab dem 7. Jahrhundert nach Christus eingewanderten slawischen Stämme der Opolanen und Golenschitzen, sowie aus den Nachkommen der sich hier im 13/14. Jahrhundert niedergelassenen deutschen Siedler aus verschiedenen Gegenden des des Heiligen Römischen Reiches, entstand. Es war seit dem 13. Jahrhundert im Römisch-Deutschen Reich beheimatet und über siebenhundert Jahre angrenzend im Westen an das deutschsprachige Niederschlesien, im Süden an das tschechisch-deutsche Böhmen, im Südosten an das slawische Mähren und in Nordosten an Polen, saugte es zahlreiche Einflüsse dieser Nachbarn auf, erhielt hierdurch jedoch niemals eine einheitliche Prägung. Sowohl Sprache als auch Religion und später Nationalbewusstsein und Volkszugehörigkeit der einzelnen Bevölkerungsteile in den verschiedenen Regionen Oberschlesiens differierten. Der Großteil der Bevölkerung der im Südwesten Oberschlesiens gelegenen Oberglogauer Region, in der unsere direkten Vorfahren und die Familien ihrer Ehefrauen lebten, sprach und spricht heute noch vorwiegend einen alten, mit deutschen Wörtern durchsetzten, slawischen Dialekt. Sie bekennt sich seit ihrer Rekatholisierung in der Mitte des 17. Jahrhunderts wieder zum katholischen Glauben und bekundet seit dem Aufwerfen der Nationalitätenfrage zum Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts, zumeist ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volk.

Über die Bildung des Familiennamens ist grundsätzlich festzuhalten, dass ein Großteil der Landbevölkerung Oberschlesiens zwar bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert Nachnamen führte. Diese scheinen jedoch noch nicht besonders gefestigt gewesen zu sein, da bis zum 18. Jahrhundert bei vielen Familien Namenswechsel feststellbar sind. Das wichtigste Kriterium bei der Familiennamenbildung war in der Heimat unserer Vorfahren, die in ihrem Wohnort vorherrschende Sprache. So wurden den Familien, und zwar unabhängig von ihrer ursprünglichen Herkunft bzw. Volkszugehörigkeit, slawische Nachnamen dort gegeben, wo die slawische Mundart dominierte und deutsche Familiennamen entstanden in den Orten, in denen sich die deutsche Sprache durchgesetzt hatte. Unser Name könnte sich in der slawischsprachigen Region Oberschlesiens, ggfls. auch im südpolnischen oder böhmisch-mährischen Raum aus der Bezeichnung „zamrzlý / zmrzly zamrzlý / zamrzaly“ (tschechisch) oder „zmarzły“ (polnisch) entwickelt haben, das in beiden Fällen „gefroren / erfroren / kalt / erstarrt“ bedeutet. Der Familienname Smarzly/Zmarzly wäre dann aus einem Übernamen entstanden. Durch Übernamen wurden die Träger nach geistigen und körperlichen Eigenschaften und nach charakteristischen Beziehungen benannt; „In diesem Bereich wurden häufig Adjektive verwendet, wie Głuchy (Taub), Rozkorz (Genüsslich), Wczasny (Früh) oder Zmarzły (Kalt/Erfroren)“.(1)

Zur Entwicklung der Schriftform unseres Namens ist vorauszusetzen, dass diese niemals einheitlich geregelt war. In historischen Quellen findet man den Namen vor allem in den folgenden Varianten: Smarzly, Smarsly, Smarzły, Smarsły, Smarszły, Schmarßel, Schmarsel, Smarzli, Smarsli, Schmarzlo, SzmarszlikZmarzly, Zmarsly, Zmarzły, Zmarsły, Zmarszły, Zmarsli, Zmarzli, Z´Marzly, ZeMarzly, Zmarzlo, Zmarslek, u.a. Eine Festigung der Schreibart des Namens „Smarsly“ lässt sich zuerst bei den Familienzweigen feststellen, die sich in den deutschsprachigen Ortschaften Oberschlesiens niedergelassen haben. So wird diese Schreibvariante z.B. im Gläsener Zweig der Familie bereits seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts beinahe durchgehend verwendet. Der Reitersdorfer Zweig der Familie begann hingegen erst in den 1920/30er Jahren die Verwendung der einheitlichen Schreibform „Smarsly“ anzustreben, was mit dem Fall Oberschlesiens an Polen wieder rückgängig gemacht wurde. Von polnischen Behörden wurde unserer Familie mit Verwaltungsakt vom 07.03.1954 die Schreibform „Zmarzły“ verordnet. Im zuständigen Standesamt in Klein Strehlitz wurde auf polnisch eingetragen: „Auf Grundlage des Beschlusses der Kommandantur der Kreismiliz in Neustadt/OS Nr. 10679/III vom 23.01.1953 wurde die Schreibweise des Familiennamens Smarzli Jan in Zmarzły Jan geändert. Klein Strehlitz, den 07.03.1954, Nr. K-2“. Diese Verordnung konnte sich in der Familie jedoch nicht durchsetzen. Seit 1991 benutzt unser Teil der Familie nach standesamtlicher Festlegung offiziell die Schreibform „Smarzly“, was im Übrigen mit der ältesten bekannten Schreibform des Familiennamens in Oberschlesien (Nennung des „Schimek Smarzly“ im Urbarium von Wreske aus dem Jahre 1566) übereinstimmt.

Über die älteste Vergangenheit der Familie Smarzly gibt es verschiedene Legenden, die über-einstimmend auf eine ungarische Herkunft der frühesten Stammväter hindeuten. Da ist zu einem von einem inzwischen leider verlorenen Stammbaum der Familie „Zmarzly“ die Rede, der bis zum 30-jährigen Krieg zurückging und auf einen ungarischen Grafen hinweisen sollte.(3) Eine andere Geschichte erzählt von zwei Brüdern, die aus Ungarn stammten und in Dienste der Herzöge von Oppeln traten. Ein Bruder verblieb später auf dem herzoglichen Schloss in Oppeln und der andere Bruder ging auf das Schloss dieser Herzöge nach Oberglogau, wodurch zwei Linien der Smarzly in Oberschlesien entstanden.(4) In einem Familienzweig kennt man auch die Geschichte, nach der die Vorfahren der Familie Raubritter gewesen sein sollen.(5) Einer weiteren Legende zu Folge, die in der Reitersdorfer Linie der Familie bekannt ist, soll ein „Smarszaly“ aus Ungarn nach Schlesien gekommen sein, als ein ungarischer König (vielleicht Mathias Corvinus 1458-1490) in Böhmen und Schlesien herrschte.

Im späten Mittelalter existierten im Königreich Ungarn tatsächlich zwei Adelsfamilien, die den Namen Marcali bzw. Marczaly trugen. Die Familie Marcali stammte aus dem Dorf Marcali (deutsch: Martzal), das ca. 15 km südlich des Plattensees gelegen ist. Diese Familie, die aus dem alten Adelsgeschlecht Pecz hervorgegangen ist und ihren Namen dem Ort Marcali im Norden des Komitats Somogy (deutsch: Schomodei) entlehnte, wurde im Jahre 1274 zum erstem Mal erwähnt. Bekannte Mitglieder der Familie sind der Graf István Marcali und seine Söhne, der Wojewode Miklós und sein Bruder Dénes. Der Letztgenannte erscheint 1404 als Graf (ispán) der Szekler und 1417 als Graf des Komitats Schomodei. Die Familie verlor ihren Stammsitz nach dem Tod von Laszlo Marczali im Jahre 1488 an die Familie Bathory.

Wappen Marczali v. Marczal2

Eine andere Familie mit dem Namen Marczaly de Marczal entstammte dem ungarischen Geschlecht der Záh (Zaah / Zách), welches zu den 108 ungarischen Uradelsgeschlechtern zählt, die sich zum Anfang des 10. Jahrhunderts im Karpatenbecken niederließen. Die älteste Erwähnung der Familie Marczaly de Marczal erfolgte 1388 mit dem Mihályt Marczaly, der seinen Stammsitz in Nógrádmarcal hatte, einem nordungarischen Dorf im Komitat Nógrád (deutsch: Neuburg), unweit der Grenze zu Slowenien. 1412 wurde Tamásnak Marcal, Sohn des Péter Marczaly, mit dem unweit von Nógrádmarcal gelegenen Ort Halápot (heute Cserháthaláp) belehnt. 1444 wird Albert Marczaly als Unterpräfekt von Neuburg erwähnt. 1493 sind András Marczaly und János Marczaly Besitzer von Nógrádmarcal. In der Mitte des 16. Jahrhunderts teilten Zsigmond Marczaly und Pál Marczaly den Familienbesitz untereinander. Die Familie ist hier noch bis zum Ende des 17. Jahrhunderts nachgewiesen.(6)

Ein eindeutiger Beweis dafür, dass ein Mitglied der o.g. Geschlechter nach Schlesien eingewandert ist und zum Stammvater der heutigen Familien Smarzly wurde, ist aufgrund fehlender Quellenlage nicht möglich. Eine Entwicklung des Familiennamens Marcali / Marczaly zum Namen Smarzly ist jedoch zumindest denkbar. Im ausgehenden Mittelalter waren die Beziehungen Schlesiens zum ungarischen Königreich immer wieder sehr eng. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts regierte König Mathias Corvinius von Ungarn (1458-1490) auch in Schlesien und verweilte hier mit seinem Hofstatt mehrmals. In den Jahren 1551-1555 herrschte  hingegen die ungarische Königinwitwe Isabella über die Fürstentümer Oppeln-Ratibor. Durch Voranstellung der Präposition „z“ zum Namen „Marcali / Marczaly“ im slawischsprachigen Teil Schlesiens, würde der Herkunftsort oder die Adelsabstammung des hierhin eingewanderten Trägers dieses Namens verdeutlicht werden. Diese Voranstellung des Buchstabens „z“ vor einen Familiennamen im slawischsprachigen Raum entspricht im deutschen Sprachraum der Anfügung der Präposition „von“ vor einen Familiennamen, was einst auf den Herkunftsort hinwies und später als Adelsprädikat fungierte. Eine Entwicklung unseres Familiennamens aus der ursprünglichen Herkunftsbezeichnung „z Marczaly“, über die Formen „Z´Marzaly“ und „Zmarzly“ zu „Smarzly“ wäre hier zumindest möglich.

Im slawischsprachigen Raum tritt dieser Familienname im Mittelalter zunächst im westlichen Böhmen als Beiname eines Adelsgeschlechts auf. Die Familie Zmrzlík von Schweißing (tschechisch: Zmrzlíkové ze Svojšína) war ein altes böhmisches und österreichisches Adelsgeschlecht, das dem Ritterstand angehörte. Deren Ahnen wurden als Herren von Schweißing bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Das westlich von Mies (Stříbro) gelegene Pfarrdorf Schweißing (Svojšín) war der Stammort dieses weit verzweigten Geschlechts, dessen Linien nach ihren jeweiligen Sitzen verschiedene Namen führten. Ihr gemeinschaftlicher Ahn war Tiburz von Schweißing (1175-1196). Familienangehörige erscheinen immer wieder in Urkunden (z.B. 1290 Beneda, 1315 Söhne Beneda und Heinrich, 1380 Ulrich Herr auf Schweißing, 1407 Protiwa als Teilbesitzer des Gutes). Eine gewisse Bedeutung erlangte Peter Zmrzlík ze Svojšína, oberster Münzmeister von Böhmen und Herr auf Worlik, Karlsberg und Brzeznitz. Er war ein Kalixtiner (Kelchner, eine Abspaltung der Hussiten) und kam 1421 bei der Vertreibung aus Tábor zu Tode. Seine Söhne Peter, Johann und Wenzel schlossen sich den Taboriten an. Sie nahmen am politischen Leben teil, aber auch an den Kriegszügen der Hussiten. Unter der Herrschaft des böhmischen Königs Georg von Podiebrad (1458-1471) gehörten sie zu seinen starken Verbündeten. Seine Urenkel Peter (+1553), Zdenko (+1558) und Wenzel (+1565) Schweißing von Zmrzlík starben ohne männliche Nachkommen.(7)

Stammwappen der Familie Zmrzlík von Schweißing

Im Königreich Polen, keine hundert Kilometer nordöstlich von der Grenze zu Schlesien, lag im Dorf Karlin (Kreis Lelów) der Stammsitz der uradligen Familie Karliński des Wappens Ostoja. Die hier bereits im 14. Jahrhundert nachgewiesene Familie gehörte dem niederen Adel an und teilte sich im 16. Jahrhundert bereits in fünf Linien. Da alle fünf Linien in Karlin begütert und ansässig waren, führten sie zur Unterscheidung verschiedene Beinamen:Chrapek, Kradeczka, Pełka / Pelca, Szyja / Schyya und Smarzszky / Szmarski / Zmarzły / Zmarzki / Zmarzli / Zmarzle / Zmarzlik. Der letztgenannte Beiname der Familie erscheint tatsächlich in den verschiedenen genannten Formen über mehr als ein Jahrhundert lang und hat sich offenbar niemals gefestigt. Zum ersten Mal erscheint dieser Beiname im Jahre 1460, als Jakub, Sohn des Piotr Zmarski/Smarzszky einen Sitz (”area“) in Karlin erwarb. In den Jahren 1517-1524 wird dort ein Bartłomiej Zmarski/Szmarski genannt, der in dieser Zeit mehrere Teile der Dörfer Karlin und Żerków zusammengekauft hatte. Im Jahre 1556 wird dann zum ersten Mal dessen Sohn Andrzej Karliński gen. Smarzszky/Zmarzły erwähnt. In einem Musterungsverzeichnis von 1563 wurde der Jan Zmarzły aus Karlin eingetragen und 1568 werden unter den achtzehn Erben von Karlin auch Andrzej Zmarzki/Zmarzli und Jan Zmarzki/Zmarzły/Zmarzli genannt. Fünfzehn Jahre später, im Jahre 1583, werden fünfzehn Erben von Karlin genannt, darunter auch die Brüder Andrzej und Baltazar Karliński gen. Zmarzli/Zmarzle, die Brüder Feliks und Seweryn Zmarzlik mit ihren Vormündern und der Jan Zmarzlik mit seinem Vormund. 1585 wurden unter den Erben von Karlin auch ein Jan und Wawrzyniec, Söhne des verstorbenen Kaspar Zmarzły genannt. In den Jahren 1593-1596 taucht in verschiedenen Gerichtsakten häufig Andrzej Karliński gen. Zmarzły bzw. Zmarski (der Beiname wird durchgehend abwechselnd in beiden Formen in den Dokumenten aufgeschrieben) auf, der in diesen Jahren einen erbitterten Streit mit seinem Wappenverwanden Kasper Karliński führte, bei dem es sogar zu bewaffneten Überfällen auf die Häuser der Kontrahenten gekommen war.(8)

In Polen wurde in einer Urkunde vom 13. Dezember 1454 der erste nichtadelige Vertreter unseres Familiennamens erwähnt. In einer Ehe- bzw. Mitgiftangelegenheit wurde hier der Albertus Zmarslek aus dem Ort Wojciechów in der Nähe von Lublin im nördlichen Kleinpolen genannt.(9) Ebenfalls in nördlichen Kleinpolen, jedoch ca. hundertfünfzig Kilometer südwestlich von Lublin, taucht in einer Auflistung der Einkünfte des Krakauer Bischofs aus den Jahren 1470/80 ein weiterer Vertreter dieses Familiennamenstammes auf. Hier ist es der Stanislaus Szmarszlikaus dem Dorf Gacki, einer Siedlung in der Gemeinde Szydłów in der heutigen Woiwodschaft Heiligkreuz (świętokrzyskie).(10) 

Älteste Vorkommen von möglichen Varianten des Namens Smarzly in Mitteleuropa

Die älteste bekannte Niederschrift unseres Familiennamens in Oberschlesien, das zu jener Zeit zum Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation gehörte, fällt in das Jahr 1566, als im Urbarium der Herrschaft Oppeln der Bauer Schimek Smarzly aus dem Dorf Wreske erwähnt wird. Er war ein Untertan des Klosters der Norbertinerinnen (Prämonstratenserinnen) in Czarnowanz und besaß eine Hufe (ca. 16,8 ha) Ackerland, von dem er 20 Groschen und 1 Scheffel Hafer an die Schlossherren von Oppeln zahlen musste. Auch war er gemeinsam mit den anderen sechzehn Bauern des Dorfes verpflichtet, jährlich an die Schlossherrschaft einen Ochsen zu liefern und 7 Vierdung Wächtergeld zu zahlen, den Kirchenzehnt an den Vikar in Oppeln zu leisten, einen Messzins in Höhe von einem Scheffel Korn und einen Scheffel Hafer von jeder Hufe an den Pfarrer von Chrosczinna zu zahlen und dem Probst des Klosters Czarnowanz 16 Groschen von jeder Hufe zu geben.(11)

Älteste Vorkommen von Varianten des Namens Smarzly in Oberschlesien

Im Jahre 1578 erscheinen im Urbarium der ca. fünfzig Kilometer südlich von Oppeln gelegenen Herrschaft Cosel der Bauer Kuba Schmarzlo bzw. Khuba Zmarzlo im Dorf Nesselwitz mit 1 Hufe (ca. 16,8 ha) Ackerland und im Dorf Klein Ellguth der Bauer Melcher Zmarzlo mit 1 ½ Hufen (ca. 25 ha) Ackerland.(12)

Rund zwanzig Kilometer westlich von Cosel wurde im Jahre 1635, im Urbarium der Herrschaft Oberglogau, der Gärtner Jura Zmarzly erfasst. Er lebte im Dorf Alt Kuttendorf und war gegenüber den Reichsgrafen von Oppersdorff auf Oberglogau verpflichtet jährlich 24 Groschen Zins, 3 Mark Steuer und 3 Eier zu geben. Den Lebensunterhalt für sich und seine Familie bestritt er durch Arbeit für die Reichgrafen. Dazu zählte insbesondere das Dreschen von Getreide, wobei er und die weiteren zwölf Gärtnern des Dorfes jeden siebzehnten Scheffel einbehalten konnten. Weiterhin bekam er Kost für die Arbeit beim Bereiten vom Mist, 2 Groschen für das Hauen und Schneiden von Gras und 4 Groschen am Tag für das Hauen von Hafer. Zu den weiteren Aufgaben der Gärtner in Alt Kuttendorf gehörte das Jäten im herrschaftlichen Garten und in den Feldern oder das Brechen und Rumpeln von Gespinst.(13)

1677 erscheint in der Stadt Cosel der Rektor der dortigen katholischen Stadtschule Simon Congelatus=Zmarzly, der am 10. April 1679 dort beerdigt wurde.(14) Interessant hierbei erscheint die Tatsache, dass dieser Simon seinen Familiennamen auf eine slawische Herkunft zurückführte und diesen der damaligen Gewohnheit der Gelehrten entsprechend, bedeutungsgleich (Congelatus= gefroren, geronnen, verhärtet) ins Lateinische übersetzte.

Mit dem Einsetzten der Führung von Kirchenbüchern zum Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, taucht der Name Smarzly in zahlreichen oberschlesische Ortschaften systematisch auf. Im Oberglogauer Land sind die folgenden Linien der Familie Smarzly bekannt:

Blaschewitz: Hier ist seit 1715 ein Stamm der Familie belegt. Ahnherr bzw. ältester bekannter Vorfahre dieser Familie ist Bartholomäus Smarzly (*1673 +1743). Später lebten in Blaschewitz die Familien seiner Nachfahren; Josef I. (*1705 +1780), Andreas I. (*1730 +1825), Andreas II. (*1774 +1853) und Josef II. (*1805 +1874). Im Jahre 1877 verkaufte der älteste Sohn von Josef II, der Gerichtsscholze Franz Smarzly (*1839 +1906), das alte Anwesen der Familie in Blaschewitz und gründete einen neuen Familienzweig in Radstein. Seine Nachfahren leben heute in Ellguth/Zülz, Neustadt/OS, Oppeln und Groß Pramsen. Der jüngere Sohn von Josef II, der Kretschmer Johann Smarzly (*1844 +1898), gründete den heute noch existierenden Reitersdorfer Familienzweig, dessen Mitglieder, die ihren Heimatort verlassen haben, sich später in Berlin, Hagen (NRW) und Mülheim-Kärlich (RLP) niederließen. Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts ließ sich mit Jakob Smarzly (*1768+1833) ein Zweig des Blaschewitzer Familie Smarzly im knapp zwanzig Kilometer südlich von Blaschewitz entfernten Dorf Gläsen nieder, wo die Familie Smarsly im 19.- und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit mehreren Zweigen blühte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden alle Familien Smarsly aus Gläsen von den neuen polnischen Machthabern vertrieben. Ein weiterer Zweig der Familie Smarzly aus Blaschewitz ließ sich zum Beginn des 19. Jahrhunderts in Potzenkarb (Kreis Cosel) nieder, wo heute noch Nachfahren dieser Familie Zmarzły leben.

Diese Chronik befasst sich insbesondere mit den Lebensläufen und der Geschichte der Blaschewitzer Familie Smarzly und deren Nachfahren:

Bartholomäus Smarzly (1673-1743) 

Joseph I. Smarzly (1700-1780)

Andreas I. Smarzly (1732-1825)

Andreas II. Smarzly (1774-1853)

Joseph II. Smarzly (1805-1874)

Johann I. Smarzly (1844-1898)

Johann II. Smarzly (1875-1958)

Anton Smarzly (1920-2000)


Grötsch: Stammmutter dieser Familie ist Marianna Smarzly aus Blaschewitz (*1747 +1829). Wenn auch sehr wahrscheinlich, so doch aufgrund nicht eindeutiger Quellendokumentation ungeklärt ist bisher die genaue Verwandtschaft Mariannas zum Blaschewitzer Stamm der Familie (s.o.). 1784 brachte sie in Leschnig, einem Nachbardorf von Blaschewitz, unehelich den Sohn Gregor zur Welt. Nach der Heirat und Niederlassung von Gregor Smarzly (*1784 +1849) im Jahre 1810 in Grötsch (Kreis Cosel), zog auch Marianna mit in den neuen Heimatort des Sohnes und starb dort 1829 als Witwe. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verließen die Enkel von Gregor Smarzly das Dorf Grötsch. Der jüngste Enkel Josef wurde Hammerführer in Poremba und später Butterhändler in Oberglogau, wo auch sein Sohn Leo geboren wurde, der zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Kattowitz heiratete. Josefs älterer Bruder Johann ließ sich nach seiner Eheschließung im Jahre 1875 in Damasko (Kreis Leobschütz) nieder, während der zweitälteste Bruder Franz das letzte Mal im Jahre 1869 in Grötsch erwähnt wurde. Der älteste der vier Brüder, Karl Smarzly (*1842 +1920), war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Postkurierfahrer und Träger in Ruda (Morgenroth / Bielschowitz) im Kreis Hinderburg OS. Im Jahre 1881 ging er jedoch nach Oberglogau, wo er zunächst Landbriefträger und später Postschaffner bzw. Oberpostschaffner war. In Fußstapfen von Karl trat auch dessen Sohn Franz Smarzly (*1880). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in Oberglogau Landbriefträger und später Postschaffner. Gemeinsam mit seinen Brüdern Johann (*1881 +1918) und Karl (*1885) betrieb er in den Zwischenkriegsjahren zusätzlich eine Landwirtschaft auf der väterlichen Stelle in der Leobschützerstraße. Letzter bekannter Vertreter dieses Familienzweiges ist Franz´s Sohn, Ignatz Felix Smarzly, der 1949 in Gelnhausen (Hessen) heiratete.

Verbreitung der Nachkommen der Familie Smarzly aus Blaschewitz im 18/19. Jahrhundert

Weitere Linien der Familie im Oberglogauer Land, deren Verwandtschaft zur Blaschewitzer Linie sich nicht nachweisen lässt:

Weingasse/Hinterdorf: In dem Oberglogauer Vorort Weingasse tritt bereits im Jahre 1682 eine Anna Smarzly auf, die hier in diesem Jahr starb. Ob sie mit dem aus Schreibersdorf stammenden Lorenz Smarzly (+1729) verwandt war, der nach seiner Eheschließung mit der Weingässnerin Susanna Marx im Jahre 1706 hier einen neuen Smarzly-Stamm begründete, ist nicht bekannt. Lorenz´s Sohn, der Gärtner Andreas Smarzly (*1709 +1747) war der letzte Namensträger in Weingasse. Dessen Sohn Philipp Jakob (*1742 +1795) zog 1772 in den anderen Oberglogauer Vorort Hinterdorf und gründete dort 1774 eine „Dynastie“ von Kretschmern (Gastwirte) und Schankwirten. Sowohl Philipp Jakobs Söhne Peter Paul (*1781 +1842) und Jakob (*1789 +1881), als auch die Enkel Franz (*1833 +1900), Johann August (*1841 +1876) und Alexander (*1843 +1878) waren im 19. Jahrhundert Kretschmer, Schank- und Gastwirte, sowie Konditeure in Hinterdorf aber auch in der Oberglogauer Wasservorstadt. Im 20. Jahrhundert waren die Nachfahren der Familie Landwirte in Hinterdorf, sowie Maurer, Obsthändler und Maler in Oberglogau. Einer von ihnen wurde königlicher Steiger im oberschlesischen Industriegebiet in Ober-Heyduk (Zaborze). Die letzen bekannten männlichen Vertreter dieses Familienzweiges in Oberglogau waren der Stellmachergeselle Alfons Bartholomäus Smarzly, der in den Wirren der oberschlesischen Abstimmungskämpfe im Jahre 1919, im Alter von dreiundzwanzig Jahren in Reitersdorf ermordet wurde, sowie sein Vetter Johann Stephan Smarzly (*1901+1965), Kaufmann in Oberglogau. Heute leben Nachkommen dieser Familie u.a. in Lüneburg.

Neuhof: Stammvater der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Neuhof sesshaften Familie Smarzly war der Gärtner Jacob (*1670 +1740). Nach dem Tod von Jacobs einzigen Sohn Simon Smarzly (*1707 +1745) entstanden hier mit dessen Söhnen Michael (*1736 +1799) und Andreas (*1741 +1802) zwei Linien dieser Familie, die über drei Generationen lang, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, nebeneinander existierten. Der letzte männliche Namensträger dieses Geschlechts in Neuhof war Michaels Urenkel Stephan (*1822 +1892) und die letzte Familienangehörige war Stephans einzige Tochter Apollonia (1857-1923), die 1876 den Schneider Jacob Philipczyk aus Schwesterwitz ehelichte und deren Nachkommen heute noch in Neuhof leben. Zwei Brüder von Stephan, Carl (*1827 +1868) und Josef (*1831 +1893), gründeten nach ihrem Auszug aus Neuhof um die Mitte des 19. Jahrhunderts neue Smarzly-Familien in Weingasse/Oberglogau und in Kerpen.

Kerpen: In Kerpen lässt sich schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein Stamm der Familie Smarzly nachweisen. Es war die Familie des Johann Smarzly (*um 1640) und seiner Söhne Johann (*1669 +1737) und Anton Caspar (*1678 +1748). Bereits mit den Enkeln von Anton Caspar verliert sich allerdings gegen Ende des 18. Jahrhunderts jede Spur dieser Familie in Kerpen. Im Jahre 1858 ließ sich jedoch mit Josef Smarzly (*1831 +1893) aus Neuhof (s.o.) ein neuer Zweig dieser Familie in Kerpen nieder. Während Josefs Sohn Johann (*1864 +1931) für die Kontinuität der Familie in Kerpen sorgte, gründete sein jüngerer Bruder Josef II. (*1869) eine neue Familie in Dirschelwitz, wo diese bis 1983 existierte. Die Nachkommen des Dirschelwitzer Zweiges leben heute in Bayern, im Kreis Göppingen. Eine Generation später repräsentierte Paul Smarsly (*1907 +1972) die Familie in Kerpen, während sein älterer Bruder Johann Georg (*1897 +1969), ein Bergmann der Königin-Luise-Grube in Hindenburg, in Ottmuth eine Familie gründete, die mit den Familien der Söhne von Johann Georg; Gerhard (*1928) und Alfred (*1930 +2006) bis heute dort ansässig ist. In Kerpen leben heute die Familien der Söhne von Paul: Raphael (*1935) und Josef (*1940 +2006), während der dritte Sohn von Paul, Johann Paul (*1938) in Kujau einen neuen Familienzweig gründete.

Zum Beginn des 21. Jahrhunderts konnten in Deutschland (2009) rund fünfzig Smarzly Familien (mit verschiedenen Schreibformen), in den USA elf Familien und in Kanada vier Familien anhand von Telefonbüchern gefunden werden. Eine ziemlich genaue Zahl gibt es für Polen, wo 1990 alle Personen gezählt und erfasst wurden. So gab es in diesem Jahr 844 Personen unseres Namens in Polen, mit einer eindeutigen Konzentration auf die alte Heimat Oberschlesien.

Fußnoten:

1 Feliks Pluta, Nazwiska w księgach chrztów z Kierpnia w powiecie prudnickim (1655-1775), in: Studia Śląskie, Band 26, Oppeln, 1974, S. 251-260.

2 Wappen Marczali v. Marczal: Geschmälerter Schräglinksbalken, Kleinod: Mit dem Balken des Schildes belegter Flügel. Siegel d. d. 1457 des Johann Sohn des Vojvoden de Marczali. – Kaschauer Stadt-Archiv (J. Siebmacher´s Grosses und allgemeines Wappenbuch, vierten Bandes fünfzehnte Abtheilung. Der Adel von Ungarn sammt den Nebenländern der St. Stephans-Krone, Pag. 396. Taf. 296, Nürnberg 1894).

3 Mitteilung Karl-Heinz Timmerhoff, Iserlohn von 05.12.2000: „Nun macht mich Deine Geschichte stutzig, da ich von meiner Mutter, geb. Marschall (ihr Vorfahre August Zmarzly aus Halbendorf bei Oppeln, geb. 1819, gest. 1866, änderte den Familiennamen auf „Marschal“) auch diese Geschichte von Ungarn kenne. Eine ihrer Tanten soll den Stammbaum bis zum 30-jährigen Krieg besessen haben mit dem Nachweis auf einen ungarischen Grafen. Leider sind diese Unterlagen auf der Flucht 1946 verloren gegangen“.

4 Lt. Mitteilung von Herrn Christoph Kalus aus Stiebendorf, Kr. Krappitz (Cousin der Mutter des Verfassers) im Sommer 2008, traf dieser ca. zwei Jahre zuvor, vor dem Gefallenendenkmal in Stiebendorf einen Mann, der sich als Herr Smarzly / Zmarzły vorgestellt hat und im Verlauf des Gespräches die Legende von den zwei Brüdern Smarzly erzählte. Christoph Kalus hat nicht registriert, woher sein Gesprächspartner kam, wusste jedoch, dass er nicht den Familien Smarzly aus Reitersdorf bzw. Kerpen angehörte.

5 Tel. Mitteilung von Frau Renate Smarsly aus Rehrstieg 16A, 21147 Hamburg (Witwe nach Andreas Smarsly *21.10.1958 Hamburg +25.11.2009 Hamburg, Schwiegertochter von Ernst Smarsly *1928 +1984) vom 25.11.2016.

6 Lajos Gerõ, József Bokor (Hrsg.): A Pallas Nagy Lexikona. („Das große Pallas Lexikon“). 1–16, Ungarische elekt-ronische Bibliothek, Budapest 2002 (1893-1897) (abgerufen am 21.10.2014) und Zólyomi József, Nógrádmarcal története (Geschichte von Nógrádmarcal), Nógrádmarcal 2000. Danke auch Herrn Laszlo Cseho (H-6200 Kiskőrös/Körösch) für zahlreiche Hinweise und Übersetzungshilfen.

7 Friedrich Bernau. Deutschböhmens Adelshalle, in: Orts- und Familienchroniken aus den Ländern der Böhmischen Krone, Band III, Universitätsbuchhandlung Prag 1903, S. 634, Jan Halada, Lexikon české šlechty (Lexikon des tschechischen Adels), Prag 1992, Kap. Zmrzlíkové ze Svojšína, S. 186-187, Aegidius Sexstetter, Beiträge zur Böhmisch- und Mährischen Brüderhistorie, Prag 1781, Tomáš Velímský, Pánize Svojšína. Rod velmožů, pánů a rytířů z povodí Mže (Herren von Schweißing. Hochwohlgeborenes Geschlecht der Herren und Ritter im Stromgebiet der Mies), Prag 2013.

8 Karol Nabiałek, Nowe spojrzenie na biografię Kaspra Karlińskiego herbu Ostoja (Eine neue Betrachtung der Biographie von Kaspar Karliński des Wappens Ostoja, in: Ziemia Częstochowska XXXVII,  Tschenstochau 2011, S. 25, 26, 41 (Fußnote 79), 42 (Fußnote 83), 50, 51 und 52 und Adam Boniecki, Herbarz polski (Polnisches Wappenbuch), Band 9: Jelowscy - Kęstowiczowie, Warschau 1906. 

9 Bolesław Ulanowski, Praktyka w sprawach małżeńskich w sądach duchownych dyjecezyi krakowskiej w wieku XV (Praxis in Eheangelegenheiten in den geistlichen Gerichten der Diözese Krakau im 15. Jahrhunderts), Krakau 1888, S. 39, Nr. 97.

10 Joannis Długosz, Liber beneficiorum dioecesis Cracoviensis (Einkünfte der Diözese Krakau), tomus II, Krakau 1864, S. 388.

11 Roman Heck / Józef Leszczyński, Urbarze dóbr zamkowych opolsko-raciborskich z lat 1566 i 1567 (Urbarien der Schlossgüter von Oppeln und Ratibor aus den Jahren 1566 und 1567), Breslau 1956, S. 120.

12 Stephan Guzy, Das Urbar der Herrschaft Cosel 1578, Herne 2010, S.153 und 161.

13 Roman Heck, Józef Leszczyński, Josef Petráň, Urbarze dóbr zamkowych Górnego Śląska z lat 1571-1640 (Urbarien oberschlesischer Schlossgüter aus den Jahren 1571-1640), Breslau-Warschau-Krakau 1963, S. 99.

14 Augustin Weltzel, Geschichte der Stadt, Herrschaft und Festung Cosel, Berlin 1866, S. 473 und Augustin Weltzel, Geschichte der Stadt und ehemaligen Festung Kosel, Kosel 1888, S. 546.

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