Andreas
Smarzly
2009
 
 
         
 

CHRONIK DER FAMILIE SMARZLY

Die Geschichte unserer Familie kann man über rund 300 Jahre zurückverfolgen.  Unsere Ahnen waren Oberschlesier, ein Volk welches vor allem aus Nachfahren der slawischen Stämme der Opolanen und Golenschitzen, sowie aus den Nachkommen deutscher Siedler aus Sachsen, Thüringen, Bayern oder dem Rheinland entstand. Es war seit dem 13. Jahrh. im Römisch-Deutschen Reich beheimatet und über siebenhundert Jahre angrenzend im Westen an das deutsche Niederschlesien, im Süden an das tschechisch-deutsche Böhmen, im Südosten an das slawische Mähren und in Nordosten an Polen, saugte es alle Einflüsse dieser Nachbarn auf, erhielt hierdurch jedoch niemals eine einheitliche Prägung. Sowohl Sprache als auch Religion und später Nationalbewusstsein und Volkszugehörigkeit der einzelnen Bevölkerungsteile in den verschiedenen Regionen Oberschlesiens unterschieden sich. Der Großteil der Bevölkerung der im Südwesten Oberschlesiens gelegenen Oberglogauer Region, in der unsere Vorfahren und die Familien ihrer Ehefrauen lebten, sprach und spricht heute noch vorwiegend einen alten, mit deutschen Wörtern durchsetzten slawischen Dialekt. Sie bekennt sich seit ihrer Rekatholisierung um 1630 wieder zum katholischen Glauben und bekundet seit dem Aufwerfen der Nationalitätenfrage zum Ende des 19. / Anfang des 20. Jahrhunderts, zumeist ihre Zugehörigkeit zum deutschen Volk.


Über die älteste Vergangenheit der Familie Smarzly gibt es drei verschiedene Legenden, die übereinstimmend auf eine ungarische Herkunft der frühesten Stammväter hindeuten. Da ist zu einem von einem inzwischen leider verlorenen Stammbaum die Rede, der bis zum 30-jährigen Krieg zurückging und auf einen ungarischen Grafen hinweisen sollte. Eine andere Geschichte erzählt von zwei Brüdern, die aus Ungarn stammten und in Dienste der Herzöge von Oppeln traten. Der eine Bruder verblieb später auf dem herzoglichen Schloss in Oppeln und der andere ging auf das Schloss dieser Herzöge nach Oberglogau, wodurch zwei Linien der Smarzly in Oberschlesien entstanden. Eine weitere Legende spricht von einem Gefolgsmann des ungarischen Königs Mathias Corvinus (1458-1490) mit Namen „Smarszally“, der von Ungarn nach Oberschlesien gekommen sein soll, als dieser König in Böhmen und Schlesien herrschte. Nicht ausgeschlossen werden kann jedoch auch, dass unsere Familie ihre ältesten Wurzeln im Mannesstamm, direkt bei den Opolanen, Golenschitzen oder den deutschen Siedlern findet.

Über die Bildung des Familiennamens ist grundsätzlich festzuhalten, dass ein Großteil der Landbevölkerung Oberschlesiens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert zwar bereits Nachnamen führte, diese scheinen jedoch noch nicht besonders gefestigt gewesen zu sein, da viele Familien wenige Generationen später wieder andere Familiennamen führten. Das wichtigste Kriterium bei der Familiennamenbildung war in unserer Gegend die im Heimatort dieser Familien vorherrschende Sprache. So wurden den Familien, und zwar unabhängig von deren ursprünglichen Volkszugehörigkeit, slawische Nachnamen dort gegeben, wo der slawische Dialekt dominierte und deutsche Familiennamen entstanden in den Dörfern, in denen sich die deutsche Sprache durchgesetzt hatte.

Unser Name könnte sich in der slawischsprachigen Region Oberschlesiens aus dem Wort „zamrzlý / zmrzly“ (tschechisch) oder „zmarzły“ (polnisch) herleiten, das in beiden Fällen „gefroren“ bedeutet, und sich im schlesischen, südpolnischen oder böhmisch-mährischen Raum entwickelt haben. Im benachbarten Polen werden bereits im 15. Jahrhundert ähnliche Formen des Namens (1454 Zmarzłek, 1470/80 Zmarzlik) verzeichnet und in der Umgebung von Brünn in Mähren gibt es ebenfalls Hinweise auf lange Ansässigkeit der Namensformen Zmrzli/Zmrzly dort. Zur Entwicklung der Schriftform unseres Namens ist vorauszusetzen, dass diese niemals einheitlich geregelt war. In historischen Quellen findet man den Namen vor allem in den folgenden Formen: Smarzly, Smarsly, Smarzły, Smarsły, Smarszły, Schmarßel, Schmarsel, Smarzli, Smarsli, Zmarzly, Zmarsly, Zmarzły, Zmarsły, Zmarszły, Zmarsli, Zmarzli, Z´Marzly, ZeMarzly.

Eine Festigung der Schreibart des Namens „Smarsly“ wurde in unserer Familie erst in den 1920/30er Jahren angestrebt, was mit dem Fall Oberschlesiens an Polen wieder rückgängig gemacht wurde. Von polnischen Behörden wurde mit Verwaltungsakt vom 07.04.1954 die Schreibform „Zmarzły“ verordnet, was sich in der Familie jedoch nicht durchsetzen konnte. Seit 1991 benutzt unser Teil der Familie die Schreibform „Smarzly“, was im übrigen mit der ältesten uns bisher bekannten Schreibform übereinstimmt.

Diese älteste bekannte Niederschrift unseres Familiennamens in Oberschlesien fällt in das Jahr 1566, als im Urbarium der Herrschaft Oppeln, der Bauer „Schimek (Simon) Smarzly aus dem Dorf Wreske erwähnt wird. Das nähere Umland von Oppeln scheint ein Nest dieser Namensträger gewesen zu sein. Rund fünfzig Kilometer südlich von Oppeln, im Umland der Stadt Oberglogau, ist ein weiteres Nest der Träger dieses Familiennamens. Hier taucht unser Name erstmalig im Urbar der Herrschaft Oberglogau von 1635 mit dem Gärtner „Jura (Georg) Zmarzly aus Alt Kuttendorf auf. 1677 erscheint in der Stadt Cosel der Rektor der dortigen katholischen Stadtschule „Simon Congelatus-Zmarzly, der am 10. April 1679 dort beerdigt wurde. Interessant hierbei erscheint, dass dieser Simon seinen Namen ebenfalls auf eine slawische Herkunft zurückführte und seinen Namen der damaligen Gewohnheit der Gelehrten entsprechend, bedeutungsgleich (Congelatus= gefroren, geronnen, verhärtet) ins Lateinische übersetzte. 

Mit dem Einsetzten der Führung von Kirchenbüchern zum Ende des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts, taucht der Name Smarzly vor allem in den zwei angeführten Schwerpunktgebieten; dem Oppelner Umland, sowie dem Oberglogauer Land dann systematisch auf. Im Oberglogauer Land sind die folgenden Linien der Familie Smarzly bekannt: 

Blaschewitz:

Hier ist seit 1715 ein Stamm der Familie belegt. Ahnherrn bzw. ältester bekannter Vorfahre dieser Familie ist Bartholomäus Smarzly (*1673+1743). Später leben in Blaschewitz die Familien seiner Nachfahren; Joseph I. (*1705+1780), Andreas I. (*1730+1825), Andreas II. (*1774+1853) und Joseph II. (*1805+1874). 1876 verkaufte der älteste Sohn von Joseph II, der Gerichtsscholze Franz Smarzly (*1839+1906) das alte Anwesen der Familie in Blaschewitz und gründete einen neuen Familienzweig in Radstein. Seine Nachfahren leben heute in Ellguth/Zülz, Neustadt/OS, Oppeln und Groß Pramsen. Der jüngere Sohn von Joseph II, der Kretschmer Johann Smarzly (*1844+1898) gründete den Reitersdorfer Familienzweig, dessen Familienmitglieder die ihren Heimatort verlassen haben, sich später in Berlin, Hagen (NRW) und Mülheim-Kärlich (RLP) niederließen.

Diese Chronik befasst sich insbesondere mit den Lebensläufen und der Geschichte dieser Familienlinie.

Bartholomäus Smarzly (1673-1743) 

Joseph I. Smarzly (1700-1780)

Andreas I. Smarzly (1732-1825)

Andreas II. Smarzly (1774-1853)

Joseph II. Smarzly (1805-1874)

Johann I. Smarzly (1844-1898)

Johann II. Smarzly (1875-1958)

Anton Smarzly (1920-2000)

 Weingasse/Hinterdorf:

In dem Oberglogauer Vorort Weingasse tritt bereits im Jahre 1682 eine Anna Smarzly auf, die hier in diesem Jahr starb. Ob sie mit dem aus Schreibersdorf stammenden Lorenz Smarzly (+1729) verwandt war, der nach seiner Eheschließung mit der Weingässnerin Susanna Marx im Jahre 1706 hier einen neuen Smarzly-Stamm begründete, ist nicht bekannt. Lorenz´s Sohn, der Gärtner Andreas Smarzly (*1709+1747) war der letzte Namensträger in Weingasse. Dessen Sohn Philipp Jakob (*1742+1795) zog 1772 in den anderen Oberglogauer Vorort Hinterdorf und gründete dort 1774 eine „Dynastie“ von Kretschmern und Schankwirten. Sowohl Philipp Jakobs Söhne Peter Paul (*1781+1842) und Jakob (*1789+1881), als auch die Enkel Franz (*1833+1900), Johann August (*1841+1876) und Alexander (*1843+1878) waren im 19. Jahrhundert Kretschmer, Schank- und Gastwirte sowie Konditeure in Hinterdorf aber auch in der Oberglogauer Wasservorstadt. Im 20. Jahrhundert waren die Nachfahren der Familie Landwirte in Hinterdorf, sowie Maurer, Obsthändler und Maler in Oberglogau. Einer von ihnen wurde königlicher Steiger im oberschlesischen Industriegebiet in Ober-Heyduk (Zaborze). Die letzen bekannten männlichen Vertreter dieses Familienzweiges waren der Stellmachergeselle Alfons Bartholomäus Smarzly, der in den Wirren der oberschlesischen Abstimmungskämpfe im Jahre 1919, im Alter von dreiundzwanzig Jahren in Reitersdorf ermordet wurde, sowie sein Vetter Johann Stephan Smarzly (*1901+1965), Kaufmann in Oberglogau. 

Neuhof:

Stammvater der bis zum Ende des 19. Jahrhunderts in Neuhof sesshaften Familie Smarzly war der Gärtner Jacob (*1670+1740). Nach dem Tod von Jacobs einzigen Sohn Simon Smarzly (*1707+1745) entstanden hier mit dessen Söhnen Michael (*1736+1799) und Andreas (*1741+1802) zwei Linien dieser Familie, die über drei Generationen lang, bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, nebeneinander existierten. Der letzte männliche Namensträger dieses Geschlechts in Neuhof war Michaels Urenkel Stephan (*1822+1892), und die letzte Familienangehörige war Stephans einzige Tochter Apollonia (1857-1923), die 1876 den Schneider Jacob Philipczyk aus Schwesterwitz ehelichte und deren Nachkommen heute noch in Neuhof leben. Zwei Brüder von Stephan, Carl (*1827+1868) und Joseph (*1831+1893), gründeten nach ihrem Auszug aus Neuhof um die Mitte des 19. Jahrhunderts neue Smarzly-Familien in Weingasse/Oberglogau und in Kerpen. 

Kerpen:

In Kerpen lässt sich schon um die Mitte des 17. Jahrhunderts ein Stamm der Familie Smarzly nachweisen. Es war die Familie des Johann Smarzly (*um 1640) und seiner Söhne Johann (*1669+1737) und Anton Caspar (*1678+1748). Bereits mit den Enkeln von Anton Caspar, verliert sich allerdings gegen Ende des 18. Jahrhunderts jede Spur dieser Familie in Kerpen.

Im Jahre 1858 ließ sich jedoch mit Joseph Smarzly (*1831+1893) aus Neuhof (s.o.) ein neuer Zweig dieser Familie in Kerpen nieder. Während Josephs Sohn, Johann (*1864+1931), für die Kontinuität der Familie in Kerpen sorgte, gründete sein jüngerer Bruder Joseph II. (*1869) eine neue Familie in Dirschelwitz, wo diese bis 1983 existierte. Die Nachkommen des Dirschelwitzer Zweiges leben heute in Bayern, im Kreis Göppingen. Eine Generation später repräsentierte Paul Smarsly (*1907+1972) die Familie in Kerpen. Sein älterer Bruder Johann Georg (*1897+1969), ein Bergmann der Königin-Luise-Grube in Hindenburg, gründete in Ottmuth eine Familie, die mit den Familien seiner Söhne Gerhard (*1928) und Alfred (*1930+2006) bis heute dort ansässig ist. In Kerpen leben heute die Familien der Söhne von Paul, Raphael (*1935) und Joseph (*1940+1906), während der dritte Sohn von Paul, Johann Paul (*1938) in Kujau einen neuen Familienzweig gründete. 

Grötsch:

Stammmutter dieser Familie ist Marianna Smarzly aus Blaschewitz (*1747+1829). Wenn auch sehr wahrscheinlich, so doch ungeklärt ist bisher die genaue Verwandtschaft Mariannas zum Blaschewitzer Stamm der Familie (s.o.). 1784 brachte sie in Leschnig, einem Nachbardorf von Blaschewitz, unehelich den Sohn Gregor zur Welt. Nach der Heirat und Niederlassung von Gregor Smarzly (*1784+1849) im Jahre 1810 in Grötsch (Kreis Cosel), zog auch Marianna mit in den neuen Heimatort des Sohnes und starb dort 1829 als Witwe.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verließen die Enkel von Gregor Smarzly das Dorf Grötsch. Der jüngste Enkel Joseph wurde Hammerführer in Poremba und später Butterhändler in Oberglogau, wo auch sein Sohn Leo geboren wurde, der zum Anfang des 20. Jahrhunderts in Kattowitz heiratete. Josephs älterer Bruder Johann ließ sich nach seiner Eheschließung im Jahre 1875 in Damasko (Kreis Leobschütz) nieder, während der zweitälteste Bruder Franz das letzte Mal im Jahre 1869 in Grötsch erwähnt wurde. Der älteste der vier Brüder, Karl Smarzly (*1842+1920), war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Postkurierfahrer/Träger in Ruda (Morgenroth / Bielschowitz) im Kreis Hinderburg OS, ging jedoch um 1881 nach Oberglogau, wo er zunächst Landbriefträger und später Postschaffner bzw. Oberpostschaffner war. In Fußstapfen von Karl trat auch dessen Sohn Franz Smarzly (*1880). Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er in Oberglogau Landbriefträger und später Postschaffner. Gemeinsam mit seinen Brüdern Johann (*1881+1918) und Karl (*1885) betrieb er in den Zwischenkriegsjahren zusätzlich eine Landwirtschaft auf der väterlichen Stelle in der Leobschützerstraße. Letzter bekannter Vertreter dieses Familienzweiges ist Franz´s Sohn, Ignatz Felix Smarzly, der 1949 in Gelnhausen (Hessen) heiratete. 

Gläsen:

In diesem, bereits im Kreis Leobschütz liegenden, jedoch seit dem Mittelalter zum Oberglogauer Weichbild/Land gehörigen Dorf, waren seit dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts mehrere bisher noch nicht ausreichend erforschte Familien Smarzly (Smarsly) ansässig, die nach dem Zweiten Weltkrieg mit den anderen Bewohnern des Ortes aus ihrer Heimat vertrieben wurden. Da im 17-19. Jahrhundert die in Gläsen residierenden Adelshäuser auch im Besitz des Dorfes Blaschewitz gewesen waren, ist eine Verwandtschaft der Familien Smarsly in Gläsen und des Blaschewitzer Zweiges sehr nahe liegend, vor allem wenn man bedenkt, dass ein Umzug für die Untertanen innerhalb einer Herrschaft in jener Zeit erleichtert, wenn nicht gar nur hier möglich war. 


Es sind wohl hauptsächlich die Nachfahren dieser Smarzly Familien aus dem Oberglogauer Land, aber auch aus dem Oppelner Umland, deren Nachkommen heute in aller Welt aufzufinden sind. Heute leben in Deutschland rund fünfzig Smarzly Familien (mit verschiedenen Schreibformen), elf Familien konnten in den USA und vier in Kanada, anhand von Telefonbüchern gefunden werden. Eine ziemlich genaue Zahl gibt es für Polen, wo 1990 alle Personen gezählt und erfasst wurden. So gab es in diesem Jahr 844 Personen unseres Namens in Polen, mit einer eindeutigen Konzentration auf die alte Heimat Oberschlesien.